Urlaub im muslimischen Malaysia – allgemeine Tipps


Es ist Februar 2013 und ich sitze am Busbahnhof in Kuala Lumpur – mein erster Urlaub im muslimischen Malaysia. Es ist hektisch, warm und stinkt. Ich fühle mich unwohl. Nicht wegen dem tropischen Wetter. Eher wegen der Umstellung auf die Kultur, die dann doch anders ist.
 
Sechs Wochen und einige malaysische Orte später, würde ich diesen Moment lediglich als kleinen Kulturschock bezeichnen. Denn als ich zum zweiten Mal in Kuala Lumpur angekommen bin, fühlte ich mich schon viel wohler.

In diesen sechs Wochen, die ich durch Malaysia gereist bin, durfte ich das Land und die Menschen kennenlernen und bin glücklich darüber, dass ich alle Vorurteile abwerfen konnte. Heute fast vier Jahre später bin ich ja schließlich immer noch hier.
 
 
Urlaub im muslimischen Malaysia
 
 
Und ich stelle fest, dass mir Zuhause viele Vorurteile über das Leben hier entgegengebracht werden, auch wenn oft nicht direkt angesprochen.

Im Internet lese ich manchmal teils harte Einschätzungen. Jede Reise ist natürlich subjektiv und jeder erlebt seinen Urlaub anders, ich kann hier nur meine Erfahrungen erläutern und jeden dazu raten, sich selbst seine Meinung zu bilden.

Natürlich ist auch immer entscheidend, ob man sich in einer touristischen oder sehr ländlichen Gegend aufhält. Abseits vom Touristenrummel sind die Menschen schon etwas konservativer, speziell auch auf Sabah und Sarawak.
 
 
 
Büffel im Reisfeld
 
Ich spaziere durch die Reisfelder, beobachte die Wasserbüffel, die in der puren Sonne vor sich hin waden und spüre die Magie. Dieser Ort, der mich mit voller Macht gelehrt hat, keine Angst vor muslimischer Kultur zu haben. Vor den Menschen. Vor dem Land.

 
In diesem Beitrag gehe ich auf West-Malaysia, die malaiische Halbinsel, ein.
 
Der Islam ist Hauptreligion, aber er wird im Land in einer gemäßigten Form praktiziert, d.h. er wird nicht so streng ausgeübt. Denn nicht jedes muslimische Land ist gleich. Zudem ist Malaysia ein Vielvölkerstaat mit verschiedenen Religionen und Kulturen, die neben- und miteinander leben.
 
 
chinesischer Tempel im muslimischen Malaysia
 
 
Ungefähr 60% der Bewohner sind Muslime, gefolgt von den Buddhisten mit ungefähr 19%, die Christen mit 9% und an letzter Stelle die Hindus (meist indisch-stämmig) mit einem Bevölkerungsanteil von 6%. Was eine tolerante Gesellschaft ausmacht.
 

Unbegründete Sorgen

West-Malaysia ist deutlich aufgeschlossener. Dennoch, die Religion verunsichert viele Urlauber. Viele Touristen machen sich Gedanken wie das Alltagsleben wohl aussieht. Wird man schräg angeschaut, wenn man auf der Straße mit kurzen Hosen und ärmellosen T-Shirts herumläuft? Wird Alkohol in Bars oder Gaststätten ausgeschenkt?

Diese Sorgen kann ich definitiv nehmen. Gerade auf Langkawi wird man keinen wirklichen Unterschied feststellen und kann sich ohne Bedenken sommerlich kleiden. In den meisten Restaurants (gerade an der Cenang oder Tengah Hauptstraße) wird Alkohol angeboten und in den Bars gibt es ebenso leckere Cocktails. Lediglich in den einheimischen, kleinen Restaurants werden keine alkoholischen Getränke serviert.

Nur zur Ramadan Zeit geht es auf Langkawi ein klein wenig eingeschränkter zu, weil viele Restaurants und Geschäfte geschlossen haben.

An den Stränden können Sie sich ganz normal Bikini kleiden – nur Nacktbaden oder “oben ohne” ist nicht ratsam.
 

Verhalten – Malaysia Knigge

Grundsätzlich sollten sich Urlauber über die Gepflogenheiten ihres Reiseziels informieren (egal wohin) und sich entsprechend respektvoll verhalten. Um Fettnäpfchen zu vermeiden, hier ein paar wichtige Hinweise/Tipps:

An religiösen Orten, wie Tempeln oder Moscheen, empfiehlt es sich ein Sarong (Tuch) umzulegen und die Schuhe sollten vorher ausgezogen werden. Beachten Sie die Vorschriften vor Ort, da in vielen Moscheen der Zutritt für Nichtmuslime verboten ist bzw. es geregelte Eintrittszeiten für Touristen gibt.

Unhöflich ist es mit den Füßen auf irgendetwas zu zeigen oder jemanden die Fußsohlen entgegen zu strecken. Die linke Hand gilt als unrein (bezüglich Toilettengang), deswegen nur die Rechte benutzen, zum Essen, zur Begrüßung oder um etwas zu überreichen.

Unter den Einheimischen ist es nicht üblich als Mann einer Frau die Hand zu geben. Bei den Touristen scheinen mittlerweile viele eine Ausnahme zu machen, weil sie wissen, dass es zu unserer Höflichkeit gehört.

Intime Berührungen sollte man in der Öffentlichkeit vermeiden. Händchen halten ist völlig ok. Selbst küssende Pärchen (Touristen) sehe ich auf Langkawi fast täglich und sie werden nicht verpönt angeschaut.

Wie bereits erwähnt, macht es natürlich einen Unterschied, ob man sich in einer touristischen oder eher ländlichen Gegend aufhält.

Übrigens ist es bei den Einheimischen (meist Indern) völlig in Ordnung, wenn Männer Händchenhalten oder Umarmungen öffentlich zeigen. Es ist kein Ausdruck der Liebe, sondern der Freundschaft.

Deswegen unterscheidet man dieses Verhalten von der Homosexualität, was hier ein Tabu ist. Wer homosexuell ist, sollte es in der Öffentlichkeit nicht kundtun. Ich würde mir wünschen, dass es irgendwann nicht mehr so streng gesehen wird, denn es gibt auch viele lesbische/schwule einheimische Pärchen. Jedoch – auf Langkawi sieht man es lockerer.

Drogen aller Art sind strengstens verboten. Die Strafen reichen bis zur Todesstrafe.

Sollte es mal zu einer Diskussion mit einem Einheimischen kommen – höflich und sachlich bleiben, denn mit freundlicher Hartnäckigkeit kommt man eher weiter. Aggressives Verhalten, Zorn oder Ärger in der Öffentlichkeit führt zu Gesichtsverlust auf beiden Seiten.
 

Das Essen

Die Muslime essen kein Schweinefleisch. Manchmal wird es in chinesischen Restaurants angeboten, aber ich denke jeder wird ein paar Urlaubstage darauf verzichten können. 🙂 Die Kühe gelten bei den Hindus als heilig, deswegen gibt es in den indischen Restaurants kein Rindfleisch. Also bitte nicht danach fragen.

Alle Hinweise sind gut gemeinte Tipps. Wenn Sie diese beherzigen, werden Sie einen entspannten Urlaub erleben und die Einheimischen werden es mit einem Lächeln danken. Den Reisenden wird übrigens schon mehr verziehen als einem Einheimischen. 🙂
 
 
lachende Kinder
 
 
Egal welches Reiseland, wer sich nicht anpassen möchte, sollte nicht in solch exotische Länder reisen. Wir freuen uns ja auch wenn man unsere deutschen Gepflogenheiten respektiert und kennen das Gefühl, wenn ausländische Touristen sich nicht benehmen.
 

Das Leben der Einheimischen

Der Tag beginnt für die Gläubigen schon früh, vor Sonnenaufgang rufen die Muezzine der Moscheen zum ersten Tagesgebet. Umsetzen tut das wohl nur der harte Kern (hier auf Langkawi). Aber keine Sorge, aus dem Schlaf gerissen hat mich der Gebetsruf noch nie.

Die Malaien sind bescheiden, herzlich und hilfsbereit. Die Frauen hier sind nicht von Kopf bis Fuβ eingepackt. Die, die man mit Burka oft sieht, sind normalerweise ebenso Touristinnen. Die Muslime tragen meist kunterbunte Kopftücher.

Und entgegen mancher Vorurteile haben die Frauen hier eine eigene Meinung, studieren, gehen arbeiten und sind selbstbewusst.
 
 
selbstbewusste Frauen in Malaysia
 
 
Zwischen Hauptstadt und Landleben gibt es dennoch einen kleinen Unterschied. Viele Mädchen aus Kuala Lumpur glauben zwar an ihren Gott, legen aber ihre Kopftücher ab und kleiden sich westlich.

Auch die Männer behandeln mich anständig und respektvoll. Wenn man als Frau allein unterwegs ist bekommt man öfters mal ein Lächeln oder ein „How are you“ zugerufen, aber beängstigend war es noch nie.

Junge Menschen dürfen sich verlieben, dürfen Schmetterlinge im Bauch haben und die Ehepartner werden nicht von den Eltern bestimmt. Jedoch wird relativ früh geheiratet.
 
 
malaiisches Hochzeitspaar
 
 
 
Ein guter Zeitpunkt für eine Reise in ein muslimisches Land?
 
Die Menschen sind verunsichert. Verständlich. Nach den islamistischen Anschlägen steigt entsprechend die Moslemfeindlichkeit in der westlichen Welt. Vorurteile gegenüber dem Islam wachsen, aber die persönliche Erfahrung hilft Vorbehalte aus dem Weg zu räumen.

Der Terror lässt die Urlaubsoptionen schrumpfen. Das ist schade, denn genau das ist es, was die Terroristen wollen – Angst verbreiten und uns in unserem Alltag eingrenzen. Zur Folge hat das, dass viele ihre Reisepläne ändern.

Es ist fürchterlich was alles passiert ist, aber die Angst davor darf nicht die Oberhand gewinnen.
 
 
Kids
 
 
 

Fazit Urlaub im muslimischen Malaysia

Eine muslimische Welt, die sich sehr von der Welt unterscheidet, wie wir Europäer sie oftmals sehen. Machen Sie ihre eigenen Erfahrungen und beurteilen Sie selbst!

Warum Sie Malaysia besuchen sollten, erfahren Sie hier!

Alle Sicherheitshinweise (enthalten Empfehlungen auf Reisen zu verzichten) und Reisewarnungen (akute Gefahr, Reisen in das entsprechende Land sollte man dringend unterlassen) finden Sie auf der Webseite vom Auswärtigen Amt. Beides sollte man ernst nehmen.
 
 


 
 
Langkawi Ausflüge
 

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